Meier Grazia, Notizen einer gelangweilten Frau

Eine Frau mittleren Alters schreibt lustlos Tagebuch. Lustlos? Ganz und gar nicht. Die Notizen sprechen eine andere Sprache: "Ich lud ihn am anderen Tag in ein Restaurant ein. Er kam wie geflogen, fuhr mich nach dem Kaffee nach Hause, küsste mich mitten auf den Mund."
Oder: "Ich sahr die glatt rasierte Wange von KHO und roch sein Rasierwasser. Ich spürte seine grossen, warmen Hände, die so unglaublich fein berühren."
Und Langeweile? Der ägyptische Schauspieler Omar Sharif, der 2015 mit 83 Jahren gestorben ist, soll aus lauter Langeweile am Set geflirtet haben, berichten die Medien. Trifft das auch auf die Autorin zu? Hat sie Amouren weil sie sich langweilt? Ist es Langeweile, die sie solch bildhafte Sätze schreiben lässt?

Die Texte von Grazia Meier sind nie langweilig, weder ihre Theaterstücke noch ihre Prosa. Das Skurrile, das Improvisierte, das Phantastische liegt ihr im Blut. Und Namen wie Freud, Jung, Kand, Einstein spiegeln ihr Faible fürs Psychologische und Philosophische. Ganz und gar nicht "unnütz". Ihre Lustlosen Tagebuchnotzien sind unterhaltsam und lesenswert. Manchmal hätte man es gerne positiv, aber das Lamentieren über Langeweile ist durchaus nicht langweilig. Es bringt einen immer wieder zum Schmunzeln und zeugt von Humor, den die Autorin auch noch hat.

 

ca. 192 S. SC

978-3-85820-317-5

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